Leipzig und das Umland sind voll mit alten Obstbeständen: Kleingartenanlagen, Grundstücke aus den Fünfzigern, Streuobstwiesen am Stadtrand Richtung Taucha und Markkleeberg. Das Muster ist fast immer gleich. Der Baum wurde in den ersten Jahren gepflegt, dann kam eine lange Pause, und heute steht ein dichtes Gerüst da, das oben trägt und unten nichts mehr macht.
Beim Obstbaumschnitt geht es weniger ums Kürzen als ums Auswählen. Licht muss bis in die Kronenmitte kommen, weil Fruchtholz ohne Licht verkahlt. Also raus mit den senkrechten Wasserschossen, den nach innen wachsenden Trieben und den sich reibenden Ästen, statt die Krone von außen kugelrund zu scheren. Ein gut geschnittener Baum sieht danach eher luftig aus, nicht kürzer.
Wichtig ist das Maß. Wer einen jahrzehntelang vernachlässigten Apfelbaum in einem Winter auf die Hälfte zurücknimmt, bekommt im Folgejahr einen Wald aus senkrechten Trieben und weniger Obst als vorher. Deshalb verteilen wir Verjüngungen bewusst auf zwei bis drei Durchgänge in aufeinanderfolgenden Jahren.